August-Weggen Aktion 2026: Käse mit Zukunft
Lange wurde geplant, nun steht das Projekt fur den Neubau der Sennerei Simplon. Ein Meilenstein fur die Betriebsleiterin Lilian Arnold ebenso wie fur die lokalen Landwirte.
Lange wurde geplant, nun steht das Projekt fur den Neubau der Sennerei Simplon. Ein Meilenstein fur die Betriebsleiterin Lilian Arnold ebenso wie fur die lokalen Landwirte.
Noch vor wenigen Minuten stand Lilian Arnold (40) in der Sennerei Simplon und kümmerte sich um die Produktion von Käse, Jogurt, Milch und Butter. Nun hievt
sie ein Holzbrett mit zwei Raclette- Laiben auf ihre Schulter, schiebt es etwas zurecht und läuft dann der Familie Gerold entgegen. Meinrad (45), Rosmarie (44), Chiara (12), Raphael (10) und Samuel (7) erwarten die Betriebsleiterin der Käserei mitten auf einer Wiese. Chiara Gerold lächelt Arnold zu, blickt dann zu der Kuh an ihrer Seite und sagt: «Calanda, in diesem Käse hat es auch Milch von dir.» Sie streichelt das Tier liebevoll. Wie als Bestätigung schnaubt dieses, senkt den Kopf und schnuppert am satten Grün der Wiese.
Die Gerolds und Arnold verbindet ihr Berufsalltag: Die 40-Jährige verarbeitet die Milch, welche die Familie als einer von sieben Landwirtschaftsbetrieben der Region täglich in der Sennerei abgibt. «Nun schliesst sich der Kreislauf – das finale Produkt ist dort, wo es seine Anfänge hat», sagt Arnold und ergänzt: «Das ist es, was mir an meiner Arbeit gefällt. Du stellst eine regionale Spezialität her.»
Enge Zusammenarbeit
Bis zu 850 000 Liter Milch verarbeitet die Sennerei Simplon pro Jahr. Rund 60 Prozent davon werden zu Raclettekäse. Was heute auf drei Stöcken in einem alten Gebäude geschieht, soll sich künftig vereinfachen. Die Genossenschaft plant einen Neubau – die Eröffnung ist im Frühjahr 2028 vorgesehen und das Projekt wird von der Coop Patenschaft für Berggebiete unterstützt. «Mein Team und ich freuen uns darauf, dass alles auf einer Etage sein wird. Aber auch auf mehr Platz und modernere Anlagen. Dadurch sind wir effizienter.»
Doch nicht nur die Betriebsleiterin, auch Bauer und Genossenschafts-Mitglied Meinrad Gerold blickt der Veränderung positiv entgegen. «Dieses Projekt ist unsere Zukunft und ermöglicht uns, die Qualität unserer Produkte weiterhin hochzuhalten.» Er ist mit der Landwirtschaft aufgewachsen, hat 2010 den Betrieb seiner Eltern übernommen und ist heute für 25 Kühe und 15 Jungtiere verantwortlich. Für ihn ist klar: Der direkte und enge Austausch mit der Sennerei und damit auch mit Lilian Arnold ist unumgänglich. «Das macht unsere Genossenschaft aus. Wir haben einen super Zusammenhalt. Allen ist bewusst, dass wir nur etwas erreichen, wenn wir an einem Strang ziehen.»
Bevor der Umzug in die neue Sennerei ansteht, bleibt aber alles beim Alten. Auf die Gerolds wartet ein Sommer auf der Alp. «Das ist immer ein Highlight. Für die Kinder und für uns», sagt Rosmarie Gerold. Lilian Arnold ihrerseits kümmert sich mit Herzblut um die Milch-Spezialitäten – dazu gehört der Kontakt zu den Landwirten. «Diese Begegnungen sind ein wichtiger Teil meiner Arbeit und die Gespräche wertvoll für uns alle», betont sie. Dann kniet sie sich hin, stellt das Holzbrett auf ihre Beine und erklärt Chiara, Raphael und Samuel Gerold mit einem Lächeln im Gesicht wie aus der Milch von Calanda Raclettekäse wurde. Damit die Geschichte der Sennerei-Genossenschaft weitergeht – so wie es seit 1883 der Fall ist.
Text Rabea Brantschen Fotos Andrea Soltermann